Äthiopien

In Äthiopien angekommen, bietet sich uns direkt ein ganz anderes Straßenbild: die Frauen tragen schicke Kleider und wunderschön geflochtene Haare, alle Menschen sind auf der Straße unterwegs und sitzen, quatschen, arbeiten und leben einfach direkt an der Straße. Wir fahren weiter und auch die Landschaft verändert sich: Wir sehen Berge, Bäumen, grüne Wiesen, viele Kühe, Schafe und Ziegen und freuen uns nun die Wüste verlassen zu haben. Zwischenzeitlich mussten wir immer wieder stoppen, da die Viehherden die Straße blockierten. Über die Berge schlängelten wir uns die Serpentinen nach oben und auch wieder nach unten und kamen schließlich in „Kim & Tims Village“, einem Overlandertreff, am Tana See an. Die letzten Kilometer mussten wir uns ganz schön beeilen, denn es wurde schon dunkel und die Menschen sitzen, stehen, laufen, gehen, leben, wie schon erwähnt, direkt auf den Straßen und nehmen keine Rücksicht auf Autos. Einmal mussten wir sogar durch ein Zelt fahren, welches die Menschen direkt über die Straße gebaut hatten. Im Camp kochen wir noch Nudeln und trinken ein Bier in der wunderschönen Bar.

17.04.2018

Heute spannen wir einmal aus am Tana See. Wir frühstücken gemütlich, lesen viel, waschen Wäsche, machen einen kleinen Spaziergang und Marc sucht die beste Position für die Hängematte – ein sehr lustiges Schauspiel. Am Abend essen wir noch ein in der hauseigenen Bar und lassen den Abend entspannt ausklingen.

Gefahrene Strecke: 0 km

18.04.2018

Heute wollen wir Richtung Gonder aufbrechen und uns dort eine Burg anschauen und dann weiter fahren in die Simien Mountains, um dort endlich einmal wieder wandern zu gehen. Allerdings stellt Marc schon beim Frühstück fest, dass wir rechts wieder tiefer liegen und wirklich etwas mit der Feder nicht stimmt. Wir müssen also dringend eine Werkstatt finden in Gonder, die unsere Feder wechselt bzw. ein passendes Ersatzteil hat. Die erste Werkstatt hat leider keine Feder für uns und wir sollen in einen Ersatzteilladen gehen. Wir finden auch einige, allerdings haben diese nur viel zu große Federn für Pick-ups ect. Wir sind ziemlich ratlos und der Verkehr in der Stadt bringt uns der Verzweiflung nahe, denn es fährt und läuft einfach alles durcheinander: Esel-, Pferdekarren, Tuk-Tuks, Minibusse, Menschen, Mopeds, Fahrräder, … Es ist wirklich anstrengend. Gott sei Dank finden wir noch eine Werkstatt, in der uns der Mechaniker eine Original – Toyota – Rav4 Feder aus Addis Abeba bestellen und diese auch einbauen kann. Allerdings ist diese Feder erst am kommenden Tag da und es ist extrem teuer, denn er möchte 100 € für die neue Feder und extra noch einmal 100 € für das Montieren! Das ist uns definitiv zu viel – so viel möchten und können wir dafür nicht bezahlen. Verhandeln hilft leider auch nicht, sodass wir erst einmal nur die viel zu teure Feder bestellen, denn wir können ohne wirklich nicht weiterfahren! Also müssen wir noch einen Tag in Gonder zubringen und auf unser Ersatzteil warten. Wir erstehen erst einmal sehr umständlich eine Simkarte für unser Telefon und ärgern uns über darüber, dass die Äthiopier so umständlich und nicht gerade freundlich zu uns sind. Das war im Sudan ganz anders. Es wird auch andauernd gebettelt und die Kinder rufen: „You, you, you, you!“ oder „Money“, wenn sie uns sehen. Oft laufen sie uns einfach hinter her und starren uns an. Das ist ganz schön nervig, zumal wir heute sowieso schon gestresst sind. Wir checken in einem Overlandertreff in Gonder ein: Yohannes Guest House, welches zwar ganz nett, aber nicht sehr ordentlich ist. Wenigstens stehen wir hier sicher und können uns noch mit anderen Overlandern aus Japan/Amerika unterhalten, die uns ein paar gute Tipps geben.

Gefahrene Strecke: 73 km

19.04.2018

Heute soll sie ankommen: unsere neue Feder! Und danach können wir endlich weiter in die Berge – das war der Plan. Leider kam es aber ganz anders und unsere Feder wurde natürlich, komischerweise, nicht mit der herkömmlichen Post mitgeliefert. Also noch ein Tag länger in Gondar für uns – Marc wurde zunehmend unruhiger und durfte sich noch weiter in Geduld üben. In Gondar versuchten wir weiterhin vergeblich unsere verbliebenen sudanesischen Pfund zu tauschen. Leider ist der Sudan aber vom Finanzmarkt komplett abgeschnitten und nach einigen Recherchen und Nachfragen haben wir herausgefunden, dass wir nur in Addis Abeba auf der sudanesischen Botschaft tauschen können. Auch die Comesa – Versicherung, welche unser Auto für die restlichen afrikanischen Länder versichern soll, können wir leider hier nicht abschließen und werden auch nach Addis Abeba verwiesen. Wir nutzen den restlichen Tag noch und gehen schick äthiopisch essen – im Four Sisters. Die Athmosphäre war wirklich schön, allerdings überzeugte Moni das äthiopische Essen nicht ganz: ein sehr saurer Teigfladen mit allerlei verschiedenen Fleischsorten und auch vegetarischen, sehr scharfen Pasten dazu. Das nächste Mal also lieber wieder Spaghetti :D.

Gefahrene Strecke: 0 km

20.04.2018

Wir stehen schon viel zu früh wieder beim Mechaniker im Büro, da Marc es nun wirklich nicht mehr erwarten kann, endlich die Feder einzubauen. Leider ist die Feder immer noch nicht angekommen, sodass wir noch eine Runde mehr in Gondar herumspazieren und uns die Zeit vertreiben müssen. Dann endlich ist es soweit und wir können die Feder abholen: endlich ist sie da und es ist auch die richtige! Also nichts wie los zu Yohannes Guesthouse und die Feder einbauen. Während wir noch beschäftigt sind, erfahren wir, dass Yohannes jemand kennt, der jemand kennt usw. der sudanesische Pfund tauscht – juhuuu, dann können wir auch das noch erledigen. Der Kurs ist zwar nicht besonders gut, allerdings können wir uns den Aufwand sparen zur Botschaft zu fahren und sind endlich das sudanesische Geld los. Danach geht es nichts wir los nach Debark, zur Tourismusinfomation für den Simien Nationalpark. Die Straße ist recht gut und wir sind ruck zuck auf ca. 3000 m hoch. Die Landschaft ist wirklich spektakulär – Tafelberge und immer wiedertiefe Krater. In Debark angekommen, umringen uns schon wieder zu viele Menschen, die uns eine Tour anbieten wollen oder was auch immer. Wir versuchen es einfach zu ignorieren und spazieren in das Office. Wir wollen mit unserem Auto in den Park fahren, tagsüber wandern und nachts auf den ausgeschriebenen Campingplätzen im Dachzelt übernachten. Das ist auch kein Problem, allerdings müssen wir einen Scout, einen bewaffneten Parkangestellten, teuer bezahlen, der uns auf Schritt und Tritt hinterher wackelt und uns beschützen soll. Prinzipiell haben wir damit schon gerechnet, einziges Problem: er soll in unserem Auto mit in den 20 km entfernten Nationalpark fahren. Wir versuchten mehrfach zu erklären, dass wir wirklich keinen Platz mehr im Auto haben und ob er uns denn nicht mit einem eigenen Fahrzeug folgen kann ect. Nach heftigen Diskussionen geben wir also nach und nehmen ihn mit – er muss sich eben irgendwo zwischen die Kanister zwängen – da wir sonst nicht in den Park dürfen. Jetzt sind wir also noch überladener und müssen auch noch die echt schlechte Straße in den Park fahren! Nach den ersten Kilometern im Park bricht auch noch der Auspuff auseinander – genau an der Stelle an dem wir ihn schweißen haben lassen. Wir sind echt fertig und genervt, können nur im ersten Gang fahren, weil die Straße so schlecht ist und der Auspuff röhrt und schleift auf jedem Stein. Eigentlich wollten wir zum 3. Camp im Park fahren und von dort aus auf den höchsten Berg der Simien Mountains wandern. Das wird jedoch nichts mehr und wir schaffen es mit aller Mühe nur zum ersten Camp. Hier lotst uns unser Scout erst einmal auf den falschen Platz, da er aussuchen möchte, wo wir campen sollen. Nach mehreren Diskussionen und einigem Umparken stehen wir dann auf dem eigentlichen Campingplatz, der auch viel schöner ist. Marc guckt sich als erstes das Auto an und versucht den Auspuff notdürftig zu befestigen, sodass er nicht mehr schwingt. Moni kocht Nudeln und der Scout, sowie diverse andere Menschen aus dem umliegenden Dörfern stehen um uns herum und beobachten uns währenddessen permanent – was für eine entspannte Stimmung. Unser Scout hatte lediglich einen Turnbeutel mit einer Decke dabei, eine völlig zerrissene Hosen und Schuhe bei denen schon die Sohle abfiel und natürlich seine Flinte – kurz gesagt absolut keine Ausrüstung! Marc und ich fragten uns schon seit geraumer Zeit: „Was will der eigentlich die nächsten 3 Tage essen und trinken? Kann er mit den Schuhen wandern? Und:  Wo schläft er überhaupt???“ Währenddessen übersetzte uns der einzig englischsprechende Mann aus dem Dorf, dass unser Scout Angst habe auf dem Campingplatz draußen zu schlafen und ob er nicht in unserem Auto schlafen könne. Das kommt für uns überhaupt nicht in Frage, denn wir haben unsere gesamten Wertsachen im Auto und haben auch schon gelesen, dass die Scouts gerne mal etwas mitgehen lassen. Außerdem ist uns der Typ nicht ganz geheuer. Wir boten ihm an im Dorf zu schlafen, da wir seinen „Dienst“ hier nicht wirklich brauchen, allerdings wollte er das auch nicht. Nachdem wir ihm also etwas Brot zum Essen und Tee zum Trinken gegeben und für ihn extra die Isomatte und eine Plane gespannt haben, unter der er übernachten kann, verzogen wir uns also ins Dachzelt.

Gefahrene Strecke: 132 km

21.04.2018

Heute steht endlich Wandern auf dem Plan – darauf haben wir uns schon lange gefreut. Schon am Morgen sehen wir die ersten Antilopen und auch die ersten menschlichen Dorfbewohner um unser Auto schleichen. Wir frühstücken gemütlich und geben natürlich auch unserem Scout etwas von unserem letzten Brot und machen uns anschließend auf den Weg. Wir kamen an einigen spektakulären Aussichtspunkten vorbei und hatten einen guten Blick über das äthiopische Hochland, welches aus Hochebenen und immer wieder steil abfallenden Kratern besteht. Es dauert nicht lange, dann sehen wir auch schon die ersten Chelada – Affen, welche in der Wiese sitzen und sich nicht weiter beim Fressen stören lassen. Wir können sogar richtig weit an die Affen herankommen. Es ist wirklich ein komisches Gefühl, freilebende Affen zu sehen. Zur Mittagszeit wandern wir nach Gich und weiter zu einem Aussichtspunkt. Leider haben wir echt wenig Wasser dabei und wir müssen ja auch noch dem Scout etwas abgeben. Dieser beschwert sich schon seit geraumer Zeit, dass wir immer weiter wandern wollen. Es ist wirklich anstrengend und er ist eine zusätzliche Belastung, da Marc ja auch Trinken für ihn mitschleppen muss. Wir haben uns auf dem Rückweg einen Weg ausgesucht, den der Scout wahrscheinlich nicht kannte bzw. gehen wollte. Er versuchte uns zu überzeugen, dass es der falsche Weg sei und wir diesen nicht gehen könnten. Dann wurde er auch noch laut und wedelte mit seiner Flinte hin und her. Marc ist äußerst sauer, da sich der Scout andauernd einmischt und Moni ist es nicht ganz geheuer, sodass wir anschließend den Weg zurück gehen, den wir gekommen sind. Das war wirklich kein schöner Ausklang des Tages. Anschließend fängt es auch noch an zu regnen und wir verziehen uns schnell ins Dachzelt.

Gefahrene Strecke: 0 km

22.04.2018

Bei Nebel wachen wir auf und stellen fest, dass es keinen Sinn hat, noch eine Wandertour zu machen, da wir 1. von unserem Camp aus alles bereits erwandert hatten und 2. wir keine Lust auf eine erneute Tour mit unserem Scout hatten. Nachdem er uns am Morgen schon wieder nach Brot angebettelt hatte und auch noch Schuhe von uns wollte, hatten wir wirklich genug. Immerhin haben wir für ihn bezahlt und ihm zusätzlich noch Essen und Trinken gegeben – irgendwann ist es genug. Wir fahren nach Debark zurück in das Touristenzentrum und setzen den Scout dort ab. Außerdem wollen wir einen Teil unseres Geldes zurück, da der Scout es wirklich übertrieben hat. Nach vielen heftigen Diskussionen mit diversen (nichtzuständigen) Personen haben wir zum Sonntag auch den Manager des Parks angerufen. Dieser ist so freundlich und kommt vorbei und hilft uns auch weiter – der erste Äthiopier der den Servicegedanken verstanden hat. Er erklärt uns, dass die Scouts gut bezahlt werden und 100% von dem Geld bekommen, was wir für sie bezahlen. Sie müssen auch eigene Ausrüstung haben ect, allerdings wollen viele Scouts die (weißen) Touristen ausnutzen und nehmen keine Ausrüstung mit, sodass die Touristen ihnen Sachen zur Verfügung stellen. Wir bekommen wenigstens die Hälfte des bezahlten Geldes für den Scout zurück. Anschließend fahren wir weiter nach Aksum. Wir haben uns auf entspanntes fahren eingestellt, allerdings wird die Straße schon nach wenigen Metern unbefestigt, d.h. riesige Steine und Löcher. Insgesamt fahren wir 73 km in 4,5 Stunden auf unbefestigter Straße und auch noch lauter Serpentinen. Das alles ist unserem kaputten Auspuff nicht gerade zuträglich. Die letzten 200 km sind glücklicherweise asphaltiert, sodass wir am Abend Aksum erreichen. Ein wirklich anstrengender erster Hochzeitstag für uns, deswegen genehmigen wir uns zum Abendessen noch eine leckere Pizza in einem Biergarten.

Gefahrene Strecke: 280 km

23.04.2018

Aksum ist eine Touristenstadt, denn hier steht der Obelisk von Aksum, welcher in den 30er Jahren von Mousselini geklaut wurde und anschließend bis in das 21. Jahrhundert in Rom stand. Nun ist er zurück in Aksum, allerdings teilweise zerstört und ein Besuchermagnet. Weiterhin steht in Aksum die Kirche „Maria von Zion“, in der angeblich die Bundeslade aus der Bibel ihren Platz gefunden hat. Wir spazieren zu den Attraktionen, fotografieren den Obelisken und wollen anschließend in den Vorgarten der Kirche. Alle Menschen betreten den Garten und gehen direkt zur Kirche, welche sie küssen und sich vor ihr niederknien. Wir betreten also den Hof und werden direkt aufgefordert ein Tickert zu kaufen. Wir verstehen nicht warum, da niemand ein Ticket hat und auch andere (schwarze) Touristen auffällig Fotos vor der Kirche machen und definitiv kein Ticket haben. Sobald allerdings eine Person mit weißer Hautfarbe auftaucht, werden Tickets erfunden, Preise angehoben und für alles muss man Geld bezahlen. Das gefeilsche und verhandeln geht uns langsam ganz schön auf die Nerven und die Menschen in Äthiopien auch. Kinder werfen Kanister und Stöcke gegen das fahrende Auto, wenn sie uns sehen und haben eine richtig feindselige Einstellung. Man kann einfach niemandem mehr vertrauen. Nach dieser Aktion beschließen wir uns trotz der wunderschönen Natur hier, nicht mehr allzu lang in Äthiopien aufzuhalten. Wir fahren weiter auf sehr guter Straße bis Mekele, denn von hier aus wollen wir eine Tour in die Danakil Depression machen – eine Salzwüste, die mehr als 100m unter dem Meeresspiegel liegt. Wir haben von mehreren Personen gehört, dass sie diese Tour in den letzten Wochen für 100 US$ pro Person bekommen haben. Im Büro angekommen, sollen wir nun plötzlich 250 US$ zahlen – wir können es nicht fassen. Wir checken erst einmal in einem Hotel ein und lassen anschließend bei einem Mechaniker unseren Auspuff reparieren. Nach 2,5 Stunden ist der Auspuff dann auch wieder ganz und wir können uns noch einmal um die Tour kümmern. Wieder verhandeln und verhandeln wir und können schließlich eine Tour für 180 US$ pro Person (für einen Tag!) heraushandeln. Wieder bemerken wir – Äthiopien ist anstrengend! Allerdings freuen wir uns auf die gebuchte Tour zum heißesten Ort der Welt!

Gefahrene Strecke: 249 km

24.04.2018

Um 6:30 Uhr werden wir vom Hotel abgeholt und fahren anschließend ca. 3 Stunden Richtung Salzwüste. Unterwegs gibt es noch ein spärliches Frühstück und wir laden noch zwei Polizisten und einen Local – Guide ein und dann brettern wir mit dem Landcruiser über das Salz. Es ist extrem heiß, wir haben 52 Grad im Schatten. Zuerst wandern wir zur Danakil Depression – unter uns brodelt und blubbert es und Wasser spritzt aus den kleinen Löchern. Doch das beeindruckendste ist die Farbenvielfalt. Wir spazieren eine ganze Weile umher und erkunden die Umgebung – wirklich spektakulär. Danach fahren wir weiter an einen Salzberg, zu Hot Springs, einem wirklich beeindruckenden Salzsee und anschließend zu der Stelle, an der die Einheimischen noch mit Handarbeit Salzblöcke abbauen und diese dann mit Kamelen in einem 7-Tages -Marsch in die nächste Stadt transportieren – wirklich unvorstellbar, in Zeiten von LKWs und Maschinen!

Gefahrene Strecke: 0 km

25.04.2018

Um 6 Uhr morgens brechen wir am Hotel auf, um die gut 300 km nach Lalibela zu fahren. Dort möchten wir uns die in den Stein gehauenen Kirchen anschauen, welche ein UNESCO Weltkulturerbe sind. Leider geht dieser Plan nicht ganz auf, denn die Hauptstraßen führen über extrem steile Serpentinen immer wieder auf und ab über das Hochland und wir kommen überhaupt nicht vorwärts. Außerdem ist der Zustand der Straße katastrophal – Schlagloch an Schlagloch und dann auch noch Kühe, Ziegen, Schafe, Kamele und Menschen, die sich permanent auf der Straße aufhalten und alles blockieren. Gegen Mittag fahren wir eine Tankstelle an und der Tankwart begrüßt uns freundlich. Allerdings betankt er zuerst das Motorrad seines Freundes und anschließend direkt unser Auto, ohne zwischendurch zu nullen. Plötzlich sollen wir 51 l Benzin bezahlen, obwohl wir doch nur einen 50l Tank haben und dieser noch zu ¼ voll war! Marc droht direkt mit der Polizei, gibt ungefähr den Betrag, den wir wirklich getankt haben und gibt Gas – bloß nicht umdrehen und schnell weg. Die letzten 60 km sind dann auch noch nicht einmal asphaltiert und es folgen einige Flussdurchquerungen, doch unser Jack schlägt sich wacker durch und wir haben sogar einen Ford Ranger abgehängt :D! Nach 9 Stunden Fahrt kommen wir dann endlich am Nachmittag in Lalibela an und checken endlich einmal wieder auf einem Campingplatz ein, wo wir ungestört kochen und uns entspannen können.

Gefahrene Strecke: 372 km

26.04.2018

Um 8:30 steht unser gebuchter Guide Ababa schon bereit, um mit uns die christlich – orthodoxen Kirchen von Lalibela zu besichtigen. Alle 12 Kirchen wurden mit Hammer und Meißel mehrere Meter tief in den Felsen hineingeschlagen und um 1987 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. König Lalibela ließ diese Kirchen im 12. und 13. Jahrhundert erbauen, um den Christen in Äthiopien eine Pilgerstätte zu geben. In den Kirchen erkennt man sowohl die Einflüsse der Juden als auch der Baptisten und teilweise der Moslems. Wir lernen viel über den Glauben und das Leben der Äthiopier und bestaunen die einzigartigen, aus dem Stein gehauenen Kirchen.

Gefahrene Strecke: 0 km

 

27/28.04.2018

Die letzten beiden Tage haben wir uns vermehrt im Auto und auf den äthiopischen Straßen aufgehalten. Hier ein kleiner Gastbeitrag von Marc über das Autofahren in Äthiopien:

Autofahren in Äthiopien kann schön sein, so z.B. wenn man die spektakulären Ausblicke von einem Bergpass in das Tal genießen kann oder sich an den vorbeiziehenden Wäldern erfreut und die Natur genießt. Leider sind die Momente nur kurz, in denen man die links und rechts vorbeiziehende Landschaft genießen kann, denn beim Autofahren in Äthiopien gibt es nur wenig zwischen Vollgas und Vollbremsung.
Neben den unfassbaren Straßen, die mit (ungelogen) 60cm tiefen Schlaglöchern aufwarten oder wo einfach ganze Straßenabschnitte fehlen, kreucht und fleucht so einiges herum. Folgendes haben wir beobachtet:
Schafe: dumm, werden ihrem Ruf gerecht und reagieren selten auf Autos oder den Verkehr
Ziegen: clevere Tierchen, die den Verkehr beobachten und ausweichen
Kühe: Stehen meist in der Mitte der Straße und interessieren sich einen Dreck für alles um sie herum.
Hunde: suizidgefährdet, laufen erst los wenn Verkehr kommt.
Esel: meist berechenbar, da sie stur ihre Linie durchziehen.
Kamele: siehe Kuh nur gefährlicher, da viel größer.
Menschen: die schlimmsten, schauen nicht beim auf die Straße treten, laufen in der Mitte, wissen scheinbar nicht das es Autos gibt.
Außerdem wird die Straße oft als Koch-, Arbeits-, Lager-, Treff- und sogar Schlafplatz missbraucht!
Somit muss man bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30km/h über 7h bis 9h voll konzentriert sein, damit man sich nicht das Auto zerstört, wenn man aus voller Fahrt (50-70km/h) nicht einen der zahllosen Geschwindigkeitshügel oder die beschriebenen Schlaglöcher übersieht. Trifft man auf erwähnte Gefahren, hilft oft nur eine Vollbremsung, um anschließend wieder zu beschleunigen und nach 500m die nächste Vollbremsung hinzulegen.
Von den anderen Verkehrsteilnehmern wie den Schweine – Tuktuks und Kleinbussen fangen wir besser nicht mehr an. Ansonsten sind die am häufigsten benutzen Instrumente die Hupe sowie die Lichthupe, auch wird oftmals wild mit dem Arm aus dem Fenster gestikuliert.
Die anderen Verkehrsteilnehmer fahren oft einfach rücksichtslos. Wurden in Ägypten oftmals aus 3 Fahrbahnen 7 gemacht, so wurde doch wenigstens Rücksicht auf die anderen genommen. Hier ist jedoch jeder wirklich nur auf sein eigenes Vorankommen bedacht. Wir sind dann mal auf den Linksverkehr in Kenia gespannt.


Gefahrene Strecke: 648km

29.04.2018

Addis Abeba – die Hauptstadt von Äthiopien. Hier sind wir gestern angekommen und haben in Wim´s Holland House einen kleinen Campingplatz gefunden. Nachdem wir uns wochenlang vegan ernähren mussten, da hier weder Käse noch Milch und auch kaum Eier verfügbar sind, freuten wir uns, gestern einmal wieder in einem guten Restaurant einen Burger zu essen. In Addis machen wir einen längeren Spaziergang zum National Museum und schauen uns die Überreste von „Lucy“ an. Lucy ist der äthiopischen Ötzi. Wir sind positiv überrascht vom Museum und suchen zum Mittag ein Hotel, welches ein veganes Buffett anbietet – unsere erste Wahl, nachdem wir die toten Tiere in dennicht gerade hygienischen Metzgereien hier hängen sehen haben. Auf dem Weg treffen wir noch einen deutschen Touristen der uns direkt zum Essen begleitet. Anschließend vertrödeln wir noch den Tag und hören von Tom, einem Australier, der mit dem Motorrad unterwegs ist viele lustige und interessante Geschichten.

Gefahrene Strecke: 0 km

30.04.2018

Heute zum Montag machen wir uns direkt auf zur Versicherungsbehörde, um eine Autoversicherung für einige ostafrikanische Länder abzuschließen: die Comesa – Card. Dies ging auch recht schnell (30 min) und war für 6 Länder gar nicht so teuer wie erwartet. Danach machen wir uns auf die Socken und werden zum zweiten Mal positive überrascht, denn wir fahren auf einer Autobahn!!! Wir freuen uns riesig und genießen die 30 km erholsame Fahrt. Danach ging es allerdings auf löchrigen Landstraßen weiter. Spontan beschließen wir im Camp Karkaro am Langano See unser Lager für die Nacht aufzuschlagen.
Der Langano See ist der einzige See in Süd – Äthiopien in dem man schwimmen kann, denn aufgrund der Pottasche im Wasser, leben hier weder Krokodile noch Nilpferde und es gibt auch keine Bilharziose. Wir erreichen das Camp nach 5 km Stein- bzw. Sand- bzw. Felspiste mit ein paar Wasserlochdurchquerungen. Doch der Weg hat sich gelohnt, denn wir haben einen Campingplatz direkt am See unter einem Baum. Die Vögel singen und zwitschern und wir genießen die Natur und gehen schwimmen und machen ein kleines Workout 😊. Nach dem Abendessen sucht Marc etwas trockenes Holz zusammen und wir haben unser erstes gemütliches Lagerfeuer, sozusagen unser Höhenfeuer in Afrika.

Gefahrene Strecke: 207 km

 

01.05.2018

Nach einer gewittrigen Nacht starten wir mit einem amerikanischen Frühstück im camp-eigenen Cafe: Pancakes mit Sirup. Danach brechen wir auf, denn wir wollen heute bis kurz vor die kenianische Grenze fahren und es liegen knapp 500 km vor uns. Nachdem wir bereits 2 Stunden unterwegs sind und gerade einmal 70 km geschafft haben, gibt es plötzlich keinen Asphalt mehr. Nun gibt es aber kein Zurück mehr und wir müssen durch, ob mit oder ohne Asphalt. Die „Straße“ führt durch Löcher, Schlammpfützen und viel mehr und wir kommen nur sehr langsam voran. Die Natur verändert sich auch immer mehr, denn jetzt sehen wir viele Bananen- und Kaffeeplantagen und niedliche runde Häuser. Die Wiesen sind sehr viel grüner als im Norden des Landes und alles wirkt ein Urwald – eine wirklich schöne Aussicht. Nach 130 km gibt es plötzlich einen Stau, denn ein LKW ist auf der einspurigen Schlammpiste stecken geblieben und muss erst befreit werden. Kaum steht unser Auto sind wir schon von Kindern umringt, die neugierig schauen und so dicht herankommen, dass sie unsere Fensterscheiben anlecken und versuchen das Auto mit Steinen zu zerkratzen. Marc muss mehrere Male aussteigen, um sie zurechtzuweisen. Nach weiteren 20 km gibt es endlich wieder Asphalt – was für eine Erleichterung und Freude! Wir fahren noch eine Weile und suchen uns anschließend ein „Bushcamp“, denn hier im Süden ist das Land nicht mehr ganz so dicht bevölkert. Wir haben einen schönen Stellplatz hinter Büschen und ein paar Felsen gefunden. Leider hat uns aber ein Kind entdeckt, das gerade Kühe hütete und es hat natürlich seinen Freunden Bescheid gegeben. Innerhalb von 10 Minuten waren wir wieder umringt von 16 Kindern bzw. Jugendlichen. Diese waren jedoch sehr freundlich zu uns und nur neugierig, deswegen schauten sie zu, was wir so machen. Einige sprechen ein paar Worte English, sodass Marc ihnen erklärte wer wir sind und was wir vorhaben. Sie lachten freundlich und sagten, es sei kein Problem hier über Nacht zu bleiben. Moni kochte in der Zwischenzeit das Abendessen und fühle sich wie Tim Mälzer in einer Kochshow, denn alle passten genau auf, was sie machte und kommentierten alles in ihrer Sprache. Wir machten noch ein paar Fotos – allerdings haben das die Mädchen nicht so gerne – und baten sie anschließend nach Hause zu gehen. Sofort machten sie sich auf den Weg ohne Wiederworte oder Verzögerung – was für eine positive Überraschung! Das zeigte uns, dass nicht alle Menschen in Äthiopien frech und fordernd sind, sondern manchmal auch einfach nur neugierig.

Gefahrene Strecke: 389 km

2 Gedanken zu „Äthiopien

  1. Andrea Wilhelm

    Liebe Kinder, wir machen uns große Sorgen, weil die Äthiopier so unfreundlich zu euch sind! Bringen euch heftige Diskussionen ums Geld diesen Menschen wirklich nahe? Und sind sie nicht viel ärmer als ihr? Ihr seid doch die Gäste in ihrem Land und bekommt dafür so viele tolle Sachen zu sehen. So eine Aktion wie an der Tankstelle kann auch ganz böse enden! Ich wünsche mir, dass ihr mehr Großzügigkeit und Nächstenliebe zeigt, vielleicht funktioniertes dann besser!
    Viele Grüße Frank und Andrea

    Antworten
    1. Monica Artikelautor

      Liebe Andrea,

      von dem heimischen Schreibtisch aus hat man natürlich eine andere Sicht auf die Dinge, die man nicht kennt. Das verstehen wir. Allerdings haben wir lange diskutiert, wie man mit bettelnden Kinder etc. umgeht. Dabei kamen wir zu dem Schluss, dass den Kindern vielleicht durch eine Spende kurzfristig geholfen wird (oder auch nicht, da das Geld an irgendwelche Hintermänner abgegeben werden muss). Langfristig lernen sie jedoch nur, dass sich betteln lohnt und man weder zur Schule, noch einer Arbeit nachgehen muss. Unserer Meinung nach ist damit niemandem geholfen, da diese Kinder so zu erwachsenen Bettlern heranwachsen, die nur auf Kosten der Gesellschaft leben.
      Bitte mache dir bewusst, dass das Verhandeln um den Preis in anderen Kulturen zum Alltag gehört. Dabei gehen wir natürlich immer nach dem dem Grundsatz vor: „Leben und leben lassen“. Ist der Preis gerechtfertigt, haben wir kein Problem damit diesen zu entrichten und bezahlen natürlich gerne. Betrug, Hinterlist und Ausbeutung von Touristen sind unserer Meinung nach jedoch nicht in Ordnung, sodass wir dies auch nicht akzeptieren wollen und werden.

      Schön, dass du dir Gedanken machst, dies ist jedoch nicht nötig, da wir eventuell die Lage vor Ort besser einschätzen können.
      Viele Grüße
      Monica und Marc

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.