Generalprobe – Osteuropatour

Auf unserer Osteuropatour im Sommer 2017 wollten wir das Reisen mit unserem Toyota ausprobieren und feststellen, was wir alles benötigen, wenn wir über längere Zeit mit unserem Auto unterwegs sind. Dazu haben wir unseren Toyota etwas ausgebaut – mehr Infos dazu findet ihr hier.

Wir hatten 3 Wochen Zeit – allerdings war dies immer noch zu wenig Zeit für so eine Vielzahl an Ländern.

1. Polen
Wir starteten in Leipzig und mit einem Zwischenstopp in der Oberlausitz bei Marcs Eltern. Danach ging es auf der A4 durch Polen direkt weiter bis nach Zakopane. Am nächsten Tag stand eine Wanderung im Nationalpark der Hohen Tatra nahe Zakopane auf dem Programm, jedoch waren wir nicht die einzigen mit dieser Idee. 

Bereits bei der Anfahrt mit dem Auto zum Wandergebiet standen wir im Stau und auch der asphaltierte Wanderweg mit gefühlten 10.000 Menschen, war nicht ganz die naturnahe und ruhige Wanderung die wir uns vorgestellt hatten. Wir sind also kurzerhand von der Asphaltstraße auf einen kleineren Weg abgebogen und konnten die Natur und das Wandern nun doch genießen.

2. Slowakei
Am nächsten Tag fuhren wir durch die Slowakei, komplett auf Landstraßen. wir kamen an vielen Feldern und Dörfern vorbei. Dabei konnten wir am Rande fast jedem Dorfes dreckige Siedlungen und Slums der Sinti und Roma – Bevölkerung sehen – sehr erschreckend.
In der Slowakei machten wir, nach einem Vormittag im Auto, eine Wanderung zum Morske Oko – ein See in einem Nationalpark, der als Unesco Weltnaturerbe zertifiziert ist.

 

3. Ukraine
Noch am gleichen Abend wollten wir die Grenze zur Ukraine passieren. Es warteten ganze 8 Grenzposten mit griffbereiter Kalaschnikow auf uns und bei fast jedem wurde das Auto durchsucht und wir mussten das Dachzelt öffnen. Außerdem gab es viele streunende Hunde, die umher liefen. Als wir endlich die Grenze überquert hatten, begrüßte uns eine sozialistische, riesige Statue. nachdem wir blauäugig und ohne jegliche Vorbereitung eingereist sind,  wurde uns mehr und mehr bewusst, dass die Ukraine scheinbar nicht zur EU gehört. Verrückt! Marc tauschte Geld und wir suchten ein Kaffee mit WIFI.

Die Schnellstraßen in der Ukraine wurden von nicht nur von Autos befahren, sondern auch von Pferdekutschen und Radfahrern. Außerdem stellten wir fest, dass es hier keinen TÜV geben kann :D. Schließlich tankten wir für 80 ct/l und suchten uns einen Platz zum Schlafen.
Leider gibt es in der Ukraine auch keine Autobahnen, weshalb wir nur Landstraßen fuhren. Wir konnten so das Flair des Landes und die Qualität der Fernstraßen kennenlernen – auf einigen Straßenabschnitten konnten wir statt der erlaubten 100km/h nur Schrittgeschwindigkeit fahren, da diese Straße nur aus Schlaglöchern bestand. Die Ausreise aus der Ukraine war sehr amüsant, denn die Grenzposten sprachen kaum englisch und nur minimal deutsch und wollten unsere gesamte Ausrüstung kennenlernen – Dachzelt, Benzinkocher, Kisten, und unsere „Wodka“ – Kanister :D.

 

4. Rumänien

Rumänien war eines unserer Hauptziele auf unserer Reise. Wir durchquerten das Land von Nord nach Süd – auf gerade einmal 50 km Autobahn, der Rest nur Landstraßen- und schauten uns Städte und Sehenswürdigkeiten an. Außerdem gingen wir im Fagaras – Gebirge wandern.
Leider haben wir keinen Abstecher nach Mara-Mures gemacht – eine Region in der viele Handwerker und Bauern in herrlich geschmückten Dörfern leben. Wir besuchten jedoch ein Salzbergwerk in der Nähe und freuten uns nach tagelanger Hitze über die 10°C im Berg.

Danach ging unsere Fahrt auf direktem Weg nach Hermannstadt in die Region Siebenbürgen. Die Stadt überzeugte uns mit ihrer wunderschönen Altstadt, den bunten Dächern, vielen Kirchen und durch sehr schmackhaften Käse, den wir auf einem Markt erstanden haben. Die Menschen sprachen perfekt deutsch und die Stadt macht einen sehr gepflegten und gemütlichen Eindruck.

Anschließend wollten wir die Ruhe auf den Bergen im Fagars-Gebirge genießen. Allerdings haben wir auch hier nicht die gewünschte Idylle ohne Menschen in den Bergen gefunden. Der einzige Pass ist sehr touristisch – mit Imbissen, Gaststätten, Souvenirläden, ect. Jedoch haben wir hier einen kostenlosen Stellplatz direkt hinter den Imbissbuden gefunden auf dem noch weiter Camper aus Polen, Frankreich, Ukraine usw. standen. Am nächsten Tag wanderten wir auf einen 2507m hohen Berg – und konnten wunderschöne wilde Ausblicke genießen.

    
In den folgenden Tagen fuhren wir noch nach Bran und besichtigten die Burg von Dracula – mit die schönste Burg, die wir je gesehen haben.

Zusammengefasst waren wir von Rumänien sehr begeistert. Starke Armut und bettelnde Kinder haben wir nicht gesehen, lediglich ein paar herrenlose Hunde.

Die Sehenswürdigkeiten und touristischen Attraktionen in Rumänien sind sehr überlaufen – vor allem Schloss Bran sollte man möglichst am Abend besuchen.
Jedoch hat uns das Land, die Menschen und die Kultur sehr gefallen und bei unserem nächsten Besuch möchte ich auf jeden Fall den nördlichen Teil des Landes noch mehr erkunden.

 

 

5. Bulgarien und 6. Serbien

Diese Länder haben wir lediglich passiert. Ursprünglich wollten wir in Bulgarien die Stadt Widin besichtigen, allerdings schreckte uns der Müll, der Dreck und die Größe dieser Stadt ein bisschen ab, weshalb wir über Serbien bis in den Kosovo weiterfuhren .

7. Kosovo    

Der Kosovo wartete mit vielen Überraschungen auf uns. Die erste positive Überraschungen erlebten wir direkt an der Grenze: der Grenzübergang verlief absolut problemlos und der Kosovo hat den Euro, somit mussten wir nicht erst Geld tauschen, um uns etwas zum Essen zu kaufen. Die zweite Überraschung: es gab direkt eine sehr gut ausgebaute, zweispurige Straße, die es ermöglichte etwas schneller fahren zu können. Außerdem wurden an jeder Ecke neue Häuser gebaut und es gab sehr sehr viele teure Autos mit amerikanischen und vor allem deutschen Kennzeichen. wir hatten dagegen die schäbigste Mühle. Im Kosovo gönnten wir uns ein Mittagessen bei einer Raststätte. Als wir in die Gaststätte kamen, fühlten wir uns leicht unwohl, denn wir trugen unsere lässigste Sommerkleidung, Crocs und ein nicht mehr ganz salonfähiges Hemd. Dann wurden von den Kellnern mit Fliege und Anzug von oben bis unten gemustert. Wir ahnten, dass wir uns wahrscheinlich nur eine Vorspeise leisten könnten. Jedoch bestellten wir stattdessen zwei Salatteller, zwei Pizzen und jeweils 2 Getränke und bezahlten insgesamt nur 13 € – die Preise im Kosovo sind unschlagbar günstig.

Am gleichen Tag wollten wir noch nach Montenegro fahren über einen Fernstraßenpass. Wir fuhren ca. 1 Std. in einem wunderschönen Tal mit Gebirgsfluss Richtung Montenegro. Allerdings wurde die Fernstraße urplötzlich um 18 km vor unserem Ziel Plav (Montenegro) zu einem  steilen und steinigem Waldweg, der unmöglich befahrbar war.
Nach einem kurzen Versuch und mehrmaligen aufsitzen wurde dies auch Marc klar und wir mussten einen 200 km Umweg nehmen, um nach Plav zu kommen.

 

Wir fuhren also das Tal hinab und badeten zur Erholung nach einem langen Fahrtag noch einmal im eiskalten Gebirgsfluss. Anschließend fuhren wir bis in die Nacht hinein nach Montenegro.

 

 

8. Montenegro

In Plav/Montenegro wollten wir auf unsere mehrtägige Wandertour auf dem Wanderweg „Peaks of the Balkan“ starten. Wir deckten uns also am Vormittag mit ausreichend Lebensmittel für 3 Tage ein und suchten einen geeigneten  Parkplatz.

Da im ganzen Dorf Parkplätze knapp waren, fragte Marc kurzerhand bei der Polizei nach, ob wir dort parken könnten. Diese verwiesen uns jedoch an das „Camp Lakeview“, ein gemütlicher Campingplatz, auf dem viele Wanderer ihre Autos abstellten.
Nachdem wir unsere Essensvorräte für die nächsten Tage eingekauft hatten, starteten wir mittags, in der größten Hitze, auf unsere Wandertour.

Der Weg war durch rote Markierungen recht gut ausgeschildert, jedoch stellten wir schon hier fest, dass unsere Wanderkarte nicht ganz passen konnte.

Unser Ziel war ein ruhiger See an dem wir über Nacht campieren wollten. Schon während der Wanderung regnete es immer wieder.Geschafft aber sehr froh erreichten wir den See und fanden hier einen schönen Schlafplatz.

Am nächsten Tag wollten wir den „Peaks of the Balkan“ – Hauptweg verlassen und nach unserer Karte auf den Grenzberg zwischen Kosovo, Montenegro und Albanien steigen und anschließend zurück zum Auto wandern. Leider wurde das Wetter an diesem Tag sehr schlecht.

Nach einiger Zeit stellten wir zusätzlich fest, dass unsere Karte leider nicht passte. Außerdem konnten wir uns nicht orientieren, da es zeitweise sehr starken Nebel gab.

Wir liefen häufig querfeldein über Berge, durch Sträucher und über Bäche, um den Grenzberg zu erreichen und wurden immer nasser. Auf dem Weg zum Grenzberg trafen wir Rexa, ein Schäfer aus dem Kosovo, der lange Zeit in Deutschland lebte und arbeitete. Wir freuten uns über die nette Unterhaltung und seine lustigen Schafe. Leider hielt die Freude nicht lange an, denn als wir den Gipfel des Dreiländerecks erreichten, stürmte, schneite und regnete es extrem stark. Ich wollte nur noch zum Auto, allerdings zog sich das noch ein bisschen…

    

Wir entdeckten ein Dorf und stellten fest, dass wir nun in unserem neunten Land waren:

 

9. Albanien

Wir wollten an der Grenze entlang und zurück nach Plav wandern. Es regnete immer stärker und wir waren beide absolut durchnässt. Ich verlor die Lust mit jedem Schritt, denn ich wusste, der Weg ist noch weit und nass. Gefühlt alle 300 m schauten wir auf die Karte, um uns zu orientieren – vergeblich. Wir liefen weiter und hofften unser Abzweig würde bald kommen. Wir entdeckten Kuhhirten, die den ganzen Tag im Wald waren, ein Buch lasen und höchstwahrscheinlich keine Ahnung hatten wo ihre Kühe waren. Außerdem konnten sie uns nicht weiterhelfen, da wir einander nicht verstanden. Wenigstens hatte es aufgehört zu regnen. Irgendwann kamen uns mehrere Quadfahrer in Tarnkleidung entgegen. Wir sprachen sie an und fragten nach dem Weg und – Gott sei Dank – sprachen sie Englisch! Wir erfuhren, dass wir uns mehr als verlaufen haben und noch sehr weit von Plav entfernt sind und außerdem unseren Abzweig verpasst haben. Ein Einheimischer schaute sich unsere Karte an und musste laut lachen, denn -wir wir bereits befürchtet hatten- stimmten die Wege und Verhältnisse überhaupt nicht. Sie boten uns an, ein Stück bis zu unserem Abzweig mitzunehmen. Dankend nahmen wir an und machten zum Abschied noch ein paar Fotos. Trotzdem war unser Weg noch weit, mindestens noch 3 Stunden und es war schon 16:00 Uhr und meine Kräfte erschöpft. Wir liefen, einmal mehr querfeldein, wie uns die Albaner geraten haben Richtung Plav/Montenegro. Es wurde später und später. Wir hatten nichts mehr zu essen und unsere aufgeweichten Füße taten weh.

Dann endlich ein Wegweiser: und es waren noch 17 km bis nach Plav! Jetzt hatte ich wirklich gar keine Lust mehr, denn es war schon nach 18:00 Uhr und wir würden mindestens noch 3 Stunden laufen! Marc erfreute sich in der Zwischenzeit an Regenbogen und machte Panoramabilder.
Und wir liefen immer weiter… Mittlerweile wurde es schon dunkel und wir packten die Stirnlampen aus. Der Weg zog sich länger und länger, die Füße schmerzten mehr und mehr und die Kräfte waren aufgebraucht. 5 km vor Plav bot uns ein Slowene an, uns das letzte Stück mit dem Auto mitzunehmen. Dankend nahmen wir an und verkrochen uns schließlich nach 12 Stunden wandern, ohne richtiges Mittag- und Abendessen, mit einer Milka-Riesenschokolade in das Dachzelt und schliefen sofort ein.

Am nächsten morgen, entspannten wir noch auf dem Campingplatz. Wir wuschen und trockneten unsere Sachen und brachten Ordnung in unseren Rav4. Dann fuhren wir weiter Richtung Küste.

Ich freute mich auf unsere Woche am Meer. In Montenegro konnten wir zum ersten Mal das Meer sehen. Wir schliefen an einem Parkplatz direkt am Meer, der uns von iOverlander empfohlen wurde.

 

 

Am nächsten Tag fuhren wir an der Bucht von Kotor entlang und gingen immer wieder baden – es war wunderschön. Marc beobachtete die Fische durch seine Schwimmbrille.

10. Kroatien und 11. Bosnien – Herzegowina

Auch in Kroatien fuhren wir an der Küste entlang und erfrischten uns immer wieder im Meer. Unser erstes kulturelles Ziel in Kroatien war Dubrovnic – oder auch Königsmund aus Game of Thrones. Ich freute mich sehr die Orte der Serie in der Altstadt zu erkunden. Allerdings machten mir die Hitze und Marc die Menschenmassen sehr zu schaffen. Jedoch war die Stadt einen Besuch wert. Wir fanden ein paar wunderschöne und verlassene Orte am Meer, an denen wir die Nacht verbringen konnten. Außerdem besichtigten wir in Kroatien noch eine Höhle im Nationalpark und zum Schluss die Plitvicer Seen. Es war eine erholsame Zeit in Kroatien, allerdings auch teurer als alle Länder zuvor.

 

11. Slowenien, 12. Italien, 13. Österreich und zurück nach 14. Deutschland

Unsere Heimreise erfolgte über Slowenien und Italien. Wir gingen noch einmal in der SoÄa schwimmen und fuhren über einen kleinen Pass nach Italien. Dort verbrachten wir unseren letzten Abend in der Hängematte und fuhren am nächsten Tag über Österreich zurück nach Deutschland.

Hier seht ihr noch einmal unsere bereisten Länder in der Übersicht: