Sudan

12.04.2018

Nach einem ausgiebigen Frühstück in der Wüste, machen wir uns auf den Weg zur Alienregistrierung nach Wadi Halfa. Wir wissen ja schon, wo wir hinmüssen. Die Registrierung ging auch relativ schnell (45 min) und wir sind nun offizielle Aliens hier im Sudan. Marc hat sich passend ganz in grün gekleidet. Dann holen wir uns noch eine Simkarte – 5 GB Internet für unschlagbare 3 €! Auch wenn Wlan hier in Afrika nicht sehr gut ausgebaut ist, gibt es mobile Daten dafür richtig günstig. Wir fahren auf die Hauptstraße Richtung Süden. Da wir an den Tankstellen keine Autoschlagen oder andere Anzeichen einer noch bestehenden Ölkrise gesehen haben, gehen wir davon aus, dass diese nun hoffentlich vorbei ist. Auf dem Weg durch die Wüste sehen wir ein liegen gebliebenes Auto, das uns wild mit einem Kanister zuwinkt. Da wir ja genug Benzinvorräte dabei haben, sind wir so freundlich und helfen mit 8 Litern Benzin aus. Weiter geht es durch die drückende Hitze der Wüste, ca. 50 Grad im Auto. Am Straßenrand sehen wir immer wieder vertrocknete Kühe liegen. Die Menschen, welche jetzt schon eine richtig dunkle Hautfarbe haben, winken uns immer fröhlich zu, wenn wir vorbei fahren. Zur Mittagszeit machten wir einen kurzen Stopp im Schatten am Nilufer. Leider wurden wir schon wieder von allerlei Insekten zerfressen, sodass wir schnell weiterfuhren und nach einem Schlafplatz Ausschau hielten. Wir nahmen also eine „Straße“ die wirklich ziemlich sandig war und blieben prompt stecken. Nachdem wir eine Stunde gebuddelt und geschaufelt haben und auch unsere Sandbleche kamen zum Einsatz, waren wir wieder frei.
Auf unserer Weiterfahrt bemerkten wir, dass wir rechts hinten viel tiefer liegen als links. Außerdem haben wir Probleme beim Überfahren von größeren Hindernissen, wie z. B. Geschwindigkeitshügeln. Nachdem wir also einen Stellplatz Mitten auf einem Feld gefunden haben, baut Marc das Hinterrad aus und checkt die Feder. Auf den ersten Blick sieht man nichts, allerdings ist höchstwahrscheinlich die Feder im Inneren gebrochen. Wir müssen also so schnell wie möglich in eine Werkstatt, denn wir fahren wahrscheinlich schon seit 500 km mit gebrochener Feder! Unser Ziel für den nächsten Tag steht also fest: wir müssen in die nächste Stadt zu einer Werkstatt. Das einzige Problem ist, das morgen Freitag ist und das bedeutet muslimischer Sonntag!

Gefahrene Strecke: 329 km

13.04.2018

Wir machen uns auf den Weg in die 90 km entfernte, größere Stadt Dongola. Hier sollte es hoffentlich eine Werkstatt geben oder zumindest jemanden, der unsere Schraubenfeder reparieren kann. Wir checken in im Hotel Olla ein und hoffen, dass sie uns hier einen Tipp für eine Werkstatt geben können. Nach einigem Telefonieren, sagte man uns, dass ein Mechaniker vorbei kommen werde und sich unser Auto anschaut. Nach einigem Warten, kam auch jemand vorbei, der jedoch nur arabisch sprach. Zum Glück half uns der Rezeptionist unseres Hotels, der ein bisschen Englisch sprach, beim Dolmetschen. Wir erklärten, dass höchstwahrscheinlich etwas mit der Schraubenfeder nicht funktioniert. Nachdem wir uns verständigt hatten, erklärte er uns, dass er es heute nicht mehr reparieren kann, sondern erst am nächsten Tag – na toll, wie schon befürchtet.
Wir brechen also in der größten Mittagshitze auf und suchten in der Stadt etwas zu essen. Die Häuser sind hier alles Lehmbuden und leider machten gerade alle Läden zu. Wir fanden jedoch noch etwas Brot und Gemüse. Die Hitze hier im Sudan ist wirklich unerträglich, man kann kaum etwas machen, denn jeden Tag sind 45 Grad. Kurz vor dem Hotel stoppte das Auto mit unserem Mechaniker, der sagte, er hätte jemanden der unser Auto schon heute für uns repariert – direkt auf dem Hotelparkplatz. Wir freuen uns sehr, sind jedoch etwas skeptisch, wie man die Feder ohne Hebebühne wechseln möchte. Wir lassen uns also überraschen. Plötzlich kommt der Mechaniker mit einem wirklich rostigen, uralten Auto angefahren, dass immer wieder aus geht. Das sieht nicht sehr vertrauenserweckend aus… Nachdem er das unser Auto hochgenommen hat und die Feder ausbaut – auch ohne Hebebühne, jedoch etwas abenteuerlich – sehen wir, dass die Schraubenfeder intakt ist. Dafür scheint die Fassung nicht mehr ganz in Ordnung zu sein. Die ägyptischen Geschwindigkeitshügel haben unserem Auto ganz schön zugesetzt! Jedoch hatte er eine Idee und verschwand mit unserer Feder. Nach 45 min kam er zurück – in einem anderen Auto… Um die Feder wieder richtig in der Fassung zu platzieren, brachte er einen einfachen Gummiring, wahrscheinlich aus einem alten Autoreifen ausgeschnitten, mit und setzte diesen mit ein. Wir machten eine Probefahrt und es hörte sich auch ganz gut an, denn der Stoßdämpfer schlug nicht mehr durch. Das haben wir also erstmal, wenn auch nur provisorisch für 13 € gelöst. Jedoch hoffen wir, dass wir damit durchkommen.
Den restlichen Tag verbringen wir im klimatisierten Hotelzimmer und entspannen, planen und können endlich einmal wieder unseren Blog aktualisieren.

Gefahrene Strecke: 95 km

14.04.2018

Zeitig brechen wir im Hotel auf, um noch die kühlen Morgenstunden auszunutzen und fahren bis Karima. Die Stadt Karima wurde zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt, denn auch hier sind noch einige Tempel, Gräber und nubische Pyramiden zu finden. Alle historischen Stätten befinden sich direkt am „Gebel Barkal“, was übersetzt „Heiliger Berg“ bedeutet. Die Pyramiden stehen direkt neben der Straße und wir können mit dem Auto direkt daneben parken. Es ist fast niemand hier und wir müssen auch keinen Eintritt zahlen. Insgesamt sind die Pyramiden um einiges kleiner und spitzer als die Pyramiden von Gizeh. Allerdings trotzdem sehr beeindruckend. In der größten Mittagshitze machen wir uns dann noch auf den Weg um den Gebel Barkal zu erklimmen und der Schweiß und die Mühe lohnt sich, denn wir haben einen wunderbaren Ausblick über das Niltal und die Tempelruinen. Unsere Fahrt geht weiter nach Akbara, dabei durchqueren wir 200km lang eine Wüste. Es ist äußerst windig und wir sehen mehrere Windhosen in der Umgebung. Einmal stehen wir sogar mitten in einer Windhose drin und sehen plötzlich gar nichts mehr. Auch der Zustand der Straße ist nicht gerade der beste, denn immer tauchen aus heiterem Himmel Schlaglöcher oder Speedbumps über die komplette Straßenbreite auf. In Akbara angekommen, müssen wir nun bald mal wieder tanken. Nachdem wir schon mehrere Tankstellen angefahren haben, die alle kein Benzin hatten, müssen wir uns schließlich an einer Tankstelle anstellen: geschätzte Wartezeit: 2,5 Std. Nach 1,5 Stundensind wir in der Schlage 10 m nach vorn gerutscht.  Ein paar freundliche Sudanesen raten uns, dass wir doch einmal bei der Security nachfragen können, ob wir eher Benzin bekommen – ganz nach dem Motto „Tourists go first“. Mit einem etwas unwohlen Gefühl fragte Marc nach und wir dürfen tatsächlich in die „VIP Schlange“. Als sich plötzlich noch jemand vordrängelte, gab es plötzlich Ärger von den Wartenden in den anderen Autos. Es kam zu einem kleinen Handgemenge und wir fühlten uns immer unwohler. Die Polizei schlichtete alles, wir füllten ganz schnell unseren Tank – Kanister waren leider nicht erlaubt – und ab ging die Post, nur schnell weg. Wir fuhren noch weiter zu den Meroe Pyramiden und suchten uns dort einen Schlafplatz in der Wüste. Das nächste Mal müssen wir echt eher anfangen, nach einem Schlafplatz zu suchen, denn im Dunkeln mitten durch die Wüste zu fahren erschwert die Schlafplatzsuche ungemein.

Gefahrene Strecke: 569 km

15.04.2018

Von unserem Schlafplatz hatten wir einen guten Blick auf die Meroe Pyramiden, die bekannteste Sehenswürdigkeit des Sudans. Wir bestaunten die vielen kleinen Pyramiden von Weitem und stellten fest, dass sie genauso aussahen, wie die Pyramiden in Karima, welche wir am Vortag besucht hatten. Das ganze Gelände war umzäunt. Wir schießen ein paar Fotos und beschließen, dass wir uns die 10 US$ Eintritt lieber sparen, da wir Pyramiden im gleichen Baustil ja schon besichtigt haben. Außerdem ist es uns bei 45 Grad im Schatten und mindestens 50 Grad im Auto auch einfach zu heiß im Sudan, sodass wir möglichst bald nach Äthiopien wollen. Wir fahren als weiter Richtung Khartum. Unterwegs wollen wir noch unseren Auspuff schweißen lassen, denn dieser hat ein paar Löcher und beim Fahren hört sich Jack wie ein kleiner Panzer an. Nachdem wir uns durchgefragt haben und von einem zum nächsten gefahren sind, haben wir auch schließlich eine „Werkstatt“ oder besser einen Metallverarbeitungsbetrieb gefunden. Wir sind rückwärts rangefahren und es ging direkt los mit dem Schweißen. Nach 10 min ist es geschafft. Die Leute waren, wie meistens hier im Sudan, super freundlich und hilfsbereit. Wir sollten nicht einmal etwas bezahlen für das Schweißen. Das konnten wir natürlich nicht annehmen und Marc musste unserem Mechaniker kurzerhand das Geld in die Jackentasche stecken.  Bei der Weiterfahrt hört sich der Auspuff jedoch nicht viel besser an. Unsere Fahrt ging weiter auf einer einspurigen, vielbefahrenen Straße mit ziemlich vielen Schlaglöchern und LKWs – kurz gesagt: wir kamen nur schleppend voran. Unterwegs treffen wir noch eine Blanka – eine Rentnerin aus Spanien, die mit dem Fahrrad allein von Kairo nach Kapstadt fahren möchte. Wir stoppen kurz, füllen ihre Wasservorräte auf und unterhalten uns ganz nett (www.blankaonabike.com). Hoffentlich treffen wir uns unterwegs noch einmal wieder. In Khartum angekommen, sind wir überrascht wie gesittet der Verkehr, im Gegensatz zu Kairo, zugeht. Es gibt sogar Burgerrestaurants und auch die Straßen sind gut ausgebaut. Wir stoppten kurz, verbotenerweise, auf einer Brücke, um den Zusammenfluss vom Blauen und Weißen Nil zu fotografieren. Das war nicht so clever, denn plötzlich quietschten Bremsen und es hupte wie wild. Moni machte trotzdem schnell das Foto und weiter geht es – schnell raus aus der Stadt. Unser Ziel ist ein Buschcamp 100 km vor der äthiopischen Grenze. Während der Fahrt muss man sich extrem konzentrieren, denn es kann durchaus passieren, dass aus heiterem Himmel Speedbumps oder riesige Schlaglöcher auftauchen. Am Straßenrand liegen immer wieder verwesende Tiere – aber nicht nur Katzen oder Hunde, sondern auch Kühe, Esel oder Kamele. Schließlich erreichen wir das Bushcamp, Marc kocht Bratkartoffeln und wir freuen uns, dass wir hoffentlich bald aus der Hitze raus sind.

Gefahrene Strecke: 477 km

16.04.2018

Früh brechen wir Richtung Grenze auf, denn wir wollen möglichst viel in den kühlen Morgenstunden fahren. Die Landschaft wird nun immer hügeliger und es gibt auch mehr Bäume. Wir durchfahren mehrere Dörfer, in denen die Armut der Menschen gut zu erkennen ist: Sie leben in kleinen, runden Lehmhäuschen, manchmal auch nur Strohhütten und Wasser gibt es, wenn überhaupt, an einer zentralen Stelle im Ort. Oft reiten Kinder auf Eseln und transportieren Wasser oder andere Sachen des täglichen Gebrauchs. Jedoch wird auch viel gelacht und es wird uns immer freundlich zugewunken, sobald sie sehen, dass wir Touristen sind. 70 km vor der Grenze in Gallabat wird die Straße katastrophal – es gibt mehr Schlaglöcher als Asphalt und diese sind oft 20-30 cm tief! Wir kommen nur noch sehr, sehr langsam voran – da extrem hohe Konzentration gefragt war, beim Um – und Durchfahren der Löcher, wechselten wir uns alle 5-10km mit Fahren ab. Wir freuten uns, wenn wir 30 km/h fahren konnten. Währenddessen überholten uns Einheimische Fahrzeuge – Pickups, mit der gesamten Ladefläche voller Menschen und winkten uns freudig zu. Die letzten Kilometer bis zur Grenze wurde die Straße wieder besser und wir kamen schließlich gegen 12 Uhr an der Grenze an. Der sudanesische Zoll und das Immigration Office sind in Wellblechbuden untergebracht, die sich kaum von den anderen „Hütten“ unterscheiden. Jedoch geht alles recht schnell und nachdem sich alle freuen, dass wir aus Deutschland kommen und Bayern München kennen, haben wir auch schnell unseren Ausreisestempel im Pass. Auch das Auto wird kurz gecheckt und Marc wird dabei permanent von Schwarzmarkthändlern belagert, die mit ihm Geld tauschen wollen. Allerdings war es uns etwas unangenehm, da wir ja direkt mit dem Zollbeamten vor dem Zollgebäude standen! Als uns ein Zollmitarbeiter dann darauf hingewiesen hat, wir sollen das Geld doch bitte IM Zollgebäude tauschen, wurde es noch dubioser. Marc zögerte kurz, doch ging dann mit in das Gebäude und wickelte den „Deal“ ab. Der Zollbeamte, der natürlich die ganze Zeit daneben stand, verlangte nun noch ein Bestechungsgeld und fertig waren wir. Moni hat in der Zwischenzeit den Wasserkanister befüllt und so ging es weiter nach Äthiopien. Auch hier verlief alles sehr unkompliziert und problemlos, Einreisestempel, Carnet- und Autokontrolle und fertig waren wir.
In Äthiopien angekommen, bietet sich uns direkt ein ganz anderes Straßenbild: die Frauen tragen schicke Kleider und wunderschön geflochtene Haare, alle Menschen sind auf der Straße unterwegs und sitzen, quatschen, arbeiten und leben einfach direkt an der Straße. Wir fahren weiter und auch die Landschaft verändert sich: Wir sehen Berge, Bäumen, grüne Wiesen, viele Kühe, Schafe und Ziegen und freuen uns nun die Wüste verlassen zu haben. Zwischenzeitlich mussten wir immer wieder stoppen, da die Viehherden die Straße blockierten. Über die Berge schlängelten wir uns die Serpentinen nach oben und auch wieder nach unten und kamen schließlich in „Kim & Tims Village“, einem Overlandertreff, am Tana See an. Die letzten Kilometer mussten wir uns ganz schön beeilen, denn es wurde schon dunkel und die Menschen sitzen, stehen, laufen, gehen, leben, wie schon erwähnt, direkt auf den Straßen und nehmen keine Rücksicht auf Autos. Einmal mussten wir sogar durch ein Zelt fahren, welches die Menschen direkt über die Straße gebaut hatten. Im Camp kochen wir noch Nudeln und tranken ein Bier in der wunderschönen Bar.

Gefahrene Strecke: 565 km

 

Ein Gedanke zu „Sudan

  1. Seifert Jürgen

    die hitze muß ja furchtbar sein. hoffentlich bleibt ihr gesund und euer auto hält durch. wir drücken euch die daummen das alles gut geht gruß jürgen

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